HOKA ONE ONE CARBON X2 IM TEST

 

„FRODOS Choice!“    
 31.03.2020: JAN FRODENO, Olympiasieger, 3facher HAWAII-Champ, verkündet seine Partnerschaft mit HOKA!

 Es gab viele Spekulationen nach seinem Abschied von Asics, für welche Laufschuhmarke sich der derzeit beste Langdistanz-Triathlet entscheiden würde. 

 Aber die Entscheidung für HOKA macht Sinn, denn die innovative Schuhmarke sorgt & sorgte insbesondere auf langen Distanzen für Furore.

 

PROLOG: CARBON X Project/2019:

Am 4. Mai 2019 stellte der Amerikaner Jim Walmsley im kalifornischen Folsom in Nähe von Sacramento eine neue Weltbestzeit über 50 Meilen auf. In 4:50:07 Stunden unterbot der die alte Marke aus dem Jahr 1985 um 14 Sekunden. *

Nachdem Hoka mit diesen Rekord auch medial für große Aufmerksamkeit sorgen konnte und weil der Carbon X auch „(lauf-) technisch“ zu überzeugen wusste, konnte HOKA lange Zeit als einziger Konkurrent zu Nike‘s Vaporfly ordentliche Marktanteile für sich vereinnahmen.

Insbesondere die im Vergleich niedrige UVP und die universellere Eignung für verschiedene „Lauf-Typen“ wussten hierbei besonders zu überzeugen.

Dennoch wartet die HOKA-Fanbase seit 2019 auch auf ein Update, welches zwar mit der SPE-Version 2020 geliefert wurde, jedoch nur geringfügige Änderungen aufzuweisen vermochte.

So waren viele Läufer*innen gespannt, als sich die ersten Gerüchte vom Carbon X2 (CX2) im Netz breitmachten.

Wie sich der Hoka Carbon X2 auf verschiedenen Distanzen und verschiedenen Tempi schlagen konnte, zeigt der nachfolgende Testbericht.

Wie immer hat Shop4runners mir den CX2 zur Verfügung gestellt, so dass ich diesen unabhängig von etwaigen Herstellerinteressen testen konnte.

 

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OPTIK und VERARBEITUNG:

Der Carbon X2 kommt in drei verschiedenen Farbversionen (sowohl für Männer als auch Frauen) und bietet gerade mit der rot-weißen Farbvariante („hot coral“) eine durchaus „knallige“ und positiv auffallende Farbvariante.

Die voluminöse Mittelsohle macht wirklich Eindruck, insbesondere durch den optisch auffallenden „Heckspoiler“.

Gerade dieses Element scheint bei Carbon-Racern ein beliebtes Design-Merkmal zu werden.

Positiv auffallend sind auch die reflektiven Elemente im Bereich der Schnürung.

Die Verarbeitung ist sehr gelungen und hochwertig, das Hightech-Mesh-Upper weist eine interessante Netzstruktur auf. Sämtliche Nähte sind sauber ausgeführt und auch Klebereste sucht man vergebens.

 

 

TECHNISCHE DATEN:

Der Carbon X2 wiegt in US 12,5 (47 1/3 EU) durchaus geringe 287g; er bewegt sich damit auf dem Niveau des Nike Alphafly.

Die Mittelsohle hat eine Bauhöhe von 32 mm zu 27 mm, die Sprengung beträgt somit 5 mm.

Besonderes Augenmerk legt Hoka insbesondere auf das Mesh-Upper, welches in letzter Zeit bei vielen Herstellern einen signifikanten Betrag zur Gewichtsreduktion beizutragen hat.

Auch der CX2 besitzt ein sehr dünnes, atmungsaktives und dennoch reißfestes Mesh.
Bei genauerem Hinsehen bemerkt man die eingewebte TPU-Garn-Struktur, die dem Upper eine dezent aufgefrischte Optik verleiht.

Das verwendete CMEVA-Mittelsohlenmaterial (wie beim Rocket X) im PROFLY-Layup weist allerdings eine signifikante Optimierung (im Vergleich zum Vorgänger) auf:

Die „Dual-Density-Midsole“ besteht zu 80% aus einem softeren, aber reaktiveren EVA , die restlichen 20% aus einem „Rubberized-EVA, welches als Außensohle fungiert.

Zwischen diesen beiden „Schichten“ wurde die bereits bekannte CARBONPLATTE mit einem meiner Meinung nach unveränderten „Shaping“ implementiert.

Diese Carbonplatte weist jedoch eine extrem hohe „Federhärte“ auf, die teilweise deutlich über dem liegt, was ich (subjektiv) bei anderen Carbon-Racern feststellen konnte.

Durch dieses neue „80/20-Verhältnis“ rutscht die Carbonplatte weiter nach unten (vorher ca. 65/35) und HOKA hat so ein deutliches Plus an weicherem „Top-Layer-Foam“ zwischen den Fuß und die Carbonplatte gebracht, wovon sich HOKA auch ein smootheres, gedämpfteres Abrollen verspricht.

Zusätzlich zeigt die komplette Mittelsohlen-Konstruktion auch das bewährte Rocker-Shaping, das den Abrollvorgang deutlich unterstützt.

Hoka-typisch ist auch die Einlegesohle durchaus hochwertig.

Ebenfalls wurde die Zunge beidseitig mittels Gummiband am Schuh fixiert und bildet somit eine „sockenartige Struktur“, zumindest sollte ein Verrutschen der Zunge somit kaum möglich sein.

 

 

PASSFORM:

Der Carbon X2 ist mit einer großzügigen Zehenbox ausgestattet, der Mittelfußbereich ist sportlich leicht schmal geschnitten und fixiert auch schmalere Füße sehr gut.

Die gut positionierten Schnürlöcher und flachen, relativ langen Schnürsenkel machen einen sehr guten Job.

Der Fersenbereich wird durch die leicht verstärkte Fersenkappe sauber fixiert.

Auch die Größenangaben stimmen mit den anderen - von mir bereits getesteten Hoka-Modellen – überein:

Mit 47 1/3 - US12,5 kam ich wie immer sehr gut klar.

 

GRIP:

Naturgemäß kann man von einem Raceschuh, der eher für asphaltierte Strecken oder sehr gut befestigte Waldwege ausgelegt ist, keine „Grip-Wunder“ erwarten.

Die gummierte EVA-Außensohle erzeugt jedoch sowohl auf trockenem als auch auf nassem Asphalt einen guten Grip und vermittelt ein sicheres Laufgefühl.

Dennoch sollte man beim Durchlaufen enger Kurven insbesondere bei Nässe generell Vorsicht walten lassen!

 

 

HALTBARKEIT:

Schon der Carbon „X1“ genoss einen sehr guten Ruf in Sachen Haltbarkeit.

Dies mag zum einen auch damit zusammen hängen, dass die Carbon X-Modelle generell für lange Strecken ausgelegt sind.

Dies ist auch beim Carbon X2 der Fall.

Nach bisher gelaufenen 70 km kann ich natürlich kein abschließendes Urteil fällen.

Jedoch weisen diverse Tests amerikanischer Blogger darauf hin, dass der CX2 für durchaus höhere Laufleistungen prädestiniert zu sein scheint.

Er dürfte somit ein Carbonschuh sein, der für 600-800km oder mehr „gut sein dürfte“.
Dies hängt natürlich auch immer etwas vom Läufer*innen(-gewicht), Laufstil und Einsatzbereich ab.

 

LAUFGEFÜHL, DYNAMIK, STABILITÄT:

Wenn man mit dem CARBON X2 losläuft, hat man zunächst das Gefühl, einen ziemlich straffen Laufschuh an den Füßen zu tragen.

Dieses „direktere“ Laufgefühl relativiert sich jedoch nach ein paar gelaufenen Kilometern und der CX2 vermittelt dann ein „schön smoothes, responsives Laufgefühl“

Der CX2 rollt extrem gut ab und vermittelt dabei ein besonderes Maß an STABILITÄT!

Dies unterscheidet ihn signifikant von vielen anderen Mitbewerbern!

Durch die relativ gerade Carbonplatte und das eher etwas straffe Mittelsohlenmaterial, ist der Carbon X2 jedoch nicht so „explosiv“ wie die Top-Konkurrenz.

Ebenso wenig „fällt“ man beim CX2 in den Vor-Fußbereich, wie dies bei Laufschuhen mit S-Shaping-Carbonplatten der Fall ist:

Bei diesen erzeugt die vorne „abgesenkte“ Carbonplatte ein progressives Einsinken und Abrollen über den Vorfuß, welches die Läufer*innen merklich nach vorne „katapultiert“.

Der Carbon X2 ist in Sachen Abrollverhalten und Carbon-Push deutlich linearer – wenn man so will „gutmütiger“ -  und etwas schwächer ausgeprägt als die Top-Modelle.

Dies ist jedoch keinesfalls abwertend gemeint, denn der CX2 läuft sich somit weitaus „normaler“ als einige andere Konkurrenten.

Durch das sehr gelungene Abrollen und den durchaus spürbaren „Carbon-Push“ erzeugt der CX2 insgesamt eine sehr gelungene Laufdynamik.

Anders als einige Mitbewerber funktioniert der Carbon X2 auch bei mittelhohem Tempo (ca. 5:30min/km) richtig gut, was die Zielgruppe deutlich erweitert

Insbesondere dürfte hierbei vorteilhaft sein, dass der Carbon X2 aufgrund seiner signifikant höheren STABILITÄT und dem sehr gelungenen ABROLLEN auch für Fersenläufer*innen - meiner Meinung nach - besser geeignet ist, als die allermeisten Mitbewerber.

Selbst Waldwege und leichte Trails bereiten ihm (bei trockenem Boden) keine Probleme!

Dies soll auch ein Resultat des Fersenbereichs im „Schwalbenschwanz-Design“ sein...

In Sachen Stabilität heimst der CX2 somit die Höchstpunktzahl (bei den Carbon-Racern) ein.

 

Zwischenfazit:

Durch die eher etwas konservative Materialwahl - insbesondere im Bereich der Mittelzone - (EVA) erreicht der CX2 auch in Verbindung mit der geraden Carbonplatte nicht ganz das Referenzniveau in Sachen „Carbon-Push“.

Auf der anderen Seite dürfte das gewählte CMEVA jedoch haltbarer als die „PEBA-basierten“ Mittelsohlen sein.

Man darf gespannt sein, wann und ob HOKA sich auch im Bereich der Mittelsohle an die „ultra-soften“ und extrem responsiven Mittelsohlen-Materialien „herantrauen“ wird.

 

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ALTERNATIVEN:

Neben dem Carbon X2 hat HOKA mit dem Rocket X ein weiteres Carbon-Modell im Programm. Der Rocket X wirkt nicht ganz so voluminös und ist leichter. Die UVP ist mit 160€ noch einmal günstiger.

Teilweise sind auch noch „Carbon X1“-Modelle verfügbar, die evtl. sogar reduziert zu bekommen sind…

Hier der Link der HOKA Carbon-Racer in den Shop:
https://www.shop4runners.com/marken/hoka_one_one/rocket-carbon-evo.html

 

 

GESAMT-FAZIT:

Mit dem „X2“ gelingt es HOKA, die Carbon X-Modellreihe noch einmal zu verbessern!

Mit einem geringen Gewicht, einer „günstigen“ UVP von 180€, sehr guter Verarbeitung und der sehr modernen und frisch wirkenden Optik, weiß er direkt wichtige Kauf-Argumente ins Feld zu führen.

Besonders vorteilhaft dürfte hierbei des Weiteren auch die (wohl) höhere Langlebigkeit und zu erwartende Laufleistung sein.

Weiterhin erzielt der CX2 auch in Sachen STABILITÄT Bestnoten.

Durch das Rocker-Shaping der Mittelsohle ist auch der Abrollvorgang extrem gelungen.

Der CX2 vermittelt ein durchaus dynamisches, direktes (aber nicht unbequemes) Laufgefühl.

Durch das etwas straffere CMEVA-Mittelsohlenmaterial mit der verbesserten „80/20- Positionierung“ der Carbonplatte erzeugt er dennoch einen spürbaren Carbon Push und läuft sich etwas softer als die Vorgänger:

Er erreicht jedoch nicht ganz das Niveau der Spitzenmodelle.

Alles in allem bereichert der Carbon X2 die Carbon-Schuhriege durch ein sehr interessantes und „eigenständiges“ Modell, das sich zudem teilweise deutlich von den Mitbewerbern Modellen unterscheidet!

Eine sehr gelungene OPTIMIERUNG!

 

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EPILOG:       CARBON X2-Project
Am 23.01.2021 erreichte Jim Walmsley im Rahmen des Carbon X2 Projekts mit 6:09:26h eine fabelhafte persönliche Bestzeit und neuen US-Rekord über die 100km.

Er verpasste die bestehende Welt-Bestzeit um gerade einmal 12 Sekunden! Wenn das nicht ein deutlicher Fingerzeig ist!