Wenn es einen Laufschuh gibt, den so gut wie jede Läuferin und jeder Läufer irgendwann schon einmal im Schrank hatte, dann ist es der Brooks Ghost. Jahr für Jahr treu, komfortabel, ein bisschen bieder – aber genau deshalb so unglaublich beliebt. Der Ghost ist seit Jahren der meistverkaufte Laufschuh in Deutschland, über alle Marken hinweg. Doch während sich rundherum eine ganze Generation von leichten, plattenlosen Superschaum-Trainern etabliert hat, wirkte der Ghost in den letzten Jahren fast schon wie ein Relikt aus einer gemütlicheren Zeit. Mit dem Ghost Amp ändert Brooks das nun – und zwar konsequenter, als man es der Marke vielleicht zugetraut hätte.
Meinen ersten Ghost bin ich vor Jahren gelaufen, als ich einen zuverlässigen Alltagsschuh für lockere Kilometer und lange Läufe gesucht habe. Direktheit oder gar Tempo-Ambitionen waren damals nie das Thema – dafür gab es andere Schuhe im Schrank. Genau diese Schublade will Brooks mit dem Ghost Amp jetzt aufbrechen: ein Ghost, der die vertraute, plüschige Passform behält, im Abdruck aber plötzlich Lust auf mehr Tempo bekommt. Kein Carbon, keine Platte – sondern ein komplett neuer Schaum und eine clevere Geometrie, die genau das leisten sollen, wofür andere Marken auf teure Verbundstoffplatten setzen.
Technische Eigenschaften & Innovationen
Der Ghost Amp ist kein einfaches Facelift des Bestsellers, sondern ein eigenständiges Modell mit neuem technischem Fundament:
Neuer Schaum – DNA HYPE: Brooks bringt mit DNA HYPE erstmals einen PEBA-Schaumblend in die Ghost-Familie. Das Ergebnis liegt spürbar zwischen dem gewohnten EVA-Komfort älterer Ghost-Modelle und der Energierückgabe eines Renn-Superschaums – weich genug für lockere Kilometer, aber mit einem klar spürbaren Pop bei höherem Tempo.
SpringRamp statt Carbonplatte: Anstatt eine steife Platte einzuziehen, verdichtet Brooks den Schaum gezielt im Vorfußbereich. Diese sogenannte SpringRamp-Geometrie soll den Abdruck spürbar beschleunigen, ohne dass der Schuh die Steifigkeit und das teils ruppige Laufgefühl klassischer Plattenschuhe annimmt.
Reduzierte Sprengung auf 6 mm: Ein deutlicher Schritt weg von den traditionell hohen 10–12 mm der bisherigen Ghost-Generationen. Der niedrigere Drop sorgt für eine natürlichere, leicht nach vorne orientierte Körperhaltung – ein modernerer Auftritt, der Fans klassischer Brooks-Geometrie aber auch etwas Umgewöhnung abverlangt.
Kein Strobel: Durch den Verzicht auf diese verbindende Stoffschicht zwischen Obermaterial und Zwischensohle sitzt der Fuß spürbar näher am Schaum. Das macht den Ghost Amp direkter und reaktionsfreudiger, ohne auf eine Platte zurückzugreifen.
Zonierte Außensohle: Gummi sitzt gezielt an den verschleißanfälligen Stellen wie Ferse und Vorfuß. Das spart Gewicht, ohne bei der Haltbarkeit große Kompromisse einzugehen.
Bewährte Ghost-Passform: Trotz aller Neuerungen bleibt der Ghost Amp im Kern ein Brooks: sicherer Fersenhalt, komfortables Mittelfuß-Lockdown durch eine solide Zunge und genug Platz im Vorfuß, ohne dass es locker wirkt.


Technische Eckdaten
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Gewicht | ca. 215 g – rund 40 g leichter als der reguläre Ghost 18 |
| Sprengung (Drop) | 6 mm |
| Dämpfung | DNA HYPE (PEBA-Blend), im Vorfuß ca. 4 mm mehr Schaum als beim Ghost |
| Platte | Keine – stattdessen SpringRamp-Vorfußgeometrie |
| Preis (UVP) | ca. 150–160 € |
Ghost Amp vs. die Konkurrenz: Saucony Endorphin Azura, Adidas Adizero Evo SL & New Balance FuelCell Rebel v5
Der Ghost Amp betritt damit ein Marktsegment, das in den letzten zwei Jahren regelrecht explodiert ist: leichte, plattenlose Daily Trainer mit PEBA-basierten Superschäumen, die den Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Tempo-Spaß schaffen sollen. Wie schlägt sich der Neuling gegen drei der etabliertesten Namen in dieser Kategorie?
Saucony Endorphin Azura
Der Azura ist der kleine, plattenlose Bruder des Endorphin Speed und setzt komplett auf den PWRRUN-PB-Schaum, kombiniert mit der bewährten Speedroll-Geometrie. Mit 40/32 mm Stackhöhe und 8 mm Sprengung bietet er die höchste Dämpfung im Vergleichsfeld und wirkt dabei erstaunlich stabil für einen Superschaum-Schuh – Tester heben besonders seine Laufruhe hervor. Dafür fällt die Dämpfung spürbar fester aus als beim Ghost Amp, was besonders am Anfang ungewohnt sein kann. Preislich liegt er mit rund 150 € auf Augenhöhe.
Adidas Adizero Evo SL
Der Evo SL ist der Leichtgewichts-Star der Adizero-Familie und mit rund 224 g (Herren-Mustergröße) das schlankeste Modell im Vergleich. Die durchgehende Lightstrike-Pro-Mittelsohle (ca. 38,5/32 mm, 6–6,5 mm Drop) sorgt für ein sehr spritziges, geradezu wettkampfnahes Laufgefühl – ohne Platte, nur mit einem kleinen Stabilisierungselement unter der Einlegesohle. Er gilt in Testberichten als der schnellste und agilste Schuh seiner Klasse, verzeiht aber weniger Unsauberkeiten im Laufstil und bietet weniger seitliche Führung als der Ghost Amp oder der Azura.
New Balance FuelCell Rebel v5
Der Rebel v5 setzt auf eine FuelCell-Mischung aus PEBA und EVA und wurde gegenüber dem Vorgänger spürbar höher und komfortabler abgestimmt (ca. 35/29 mm Stack, 6 mm Drop). Mit etwa 224–227 g bewegt er sich gewichtstechnisch nah am Ghost Amp, wirkt im Laufgefühl aber softer und zugänglicher, dafür mit etwas weniger Bounce und Renncharakter als der Evo SL. Der Preis liegt mit 160 € leicht über den Mitbewerbern.
Brooks Ghost Amp
Der Ghost Amp positioniert sich klar zwischen diesen drei Modellen: nicht ganz so leicht und renn-orientiert wie der Evo SL, nicht ganz so hochgedämpft wie der Azura, aber mit dem wohl komfortabelsten und am besten verarbeiteten Obermaterial im Vergleichsfeld – ein direktes Erbe der Ghost-Passform, die seit Jahren Maßstäbe setzt. Wer die Zuverlässigkeit und den Sitz des klassischen Ghost liebt, aber mehr Tempo-Potenzial sucht, dürfte im Amp genau das finden, was bislang gefehlt hat.


Fazit
Der Brooks Ghost Amp ist mehr als nur ein weiterer Eintrag in der ohnehin gut gefüllten Ghost-Familie – er ist Brooks' Antwort auf einen Markt, der sich in den letzten Jahren spürbar in Richtung leichter, plattenloser Superschaum-Trainer entwickelt hat. Mit DNA HYPE und der SpringRamp-Geometrie beweist Brooks, dass es für ein spürbar dynamischeres Laufgefühl keine Carbonplatte braucht.
Im direkten Vergleich mit Saucony Endorphin Azura, Adidas Adizero Evo SL und New Balance FuelCell Rebel v5 muss sich der Ghost Amp nicht verstecken: Er ist kein Überflieger in einer einzelnen Disziplin, aber genau das macht ihn so interessant – ein ausgewogener Allrounder mit der komfortablen DNA eines der beliebtesten Laufschuhe überhaupt. Für alle, die den Ghost lieben, aber schon lange auf etwas mehr Pep gehofft haben, könnte der Amp in Zukunft der neue Favorit im Schuhschrank werden.