HUUB VARMAN / Wetsuit TEST

 

Ironman Weltmeisterschaften St. George 2022:

Fenella Langridge kommt in aussichtsreicher Position nach einem für sie sehr guten Schwimmen in die Wechselzone. Dort versucht sie verzweifelt, ihren Neopren-Anzug auszuziehen.

Mehrfach zieht sie den Reißverschluss nach unten, doch dieser bewegt sich keinen Millimeter. Das ganze „Schauspiel“ war umso tragischer, weil die britische Triathletin somit eine aussichtsreiche Position beim Radfahren verpasste. Natürlich mit Konsequenzen für die Endplatzierung. Gerade dieses Ereignis macht uns Triathlet*innen bewusst, dass es manchmal Kleinigkeiten sind, die einen Wettkampf enorm beeinflussen können. Ich selbst hatte bereits eine ähnliche Erfahrung, wobei mir jedoch ein Mitstreiter während des Laufens durch die lange 1. Wechselzone den Reißverschluss öffnen konnte. Glück gehabt… Nachfolgend mein Testbericht zum HUUB VARMAN, der ein exklusives „Reißverschluß-Feature“ und andere Innovationen bietet.

Shop4runners hat mir den HUUB VARMAN zur Verfügung gestellt, so dass ich ihn ohne Hersteller-Vorgaben testen konnte.

 

 

OPTIK, VERARBEITUNG und PREIS:

Der VARMAN Wetsuit kommt in verschiedenen Colorways, wobei die „Glacier-Variante“ (blue/red) durch seine rot und türkisblauen Elemente, sowie die weißen Zierstreifen und Logos ein sehr abwechslungsreiches und auffälliges Design besitzt. Diese exklusive Fluo-Druckgrafik wurde speziell entworfen, um Schwimmer*innen mehr Sichtbarkeit im offenen Wasser zu gewährleiten. Hinweis: Beim Schwimmen in offenen Gewässern empfehle ich zusätzlich auf eine „grelle“ Badekappe (ideal z.B.: Orange) zu achten und idealerweise auch eine Schwimm-Boje zu nutzen. Die Verarbeitung ist sehr gut, die verwendeten Materialien inklusive des Zippers (YKK) und des Inliners etc. sind hochwertig.

Aufgrund der Vielzahl der verwendeten Neopren-Panels lässt es sich natürlich nicht vermeiden, dass hier und da minimale Klebereste an den Nähten zu erkennen sind. Dies ist aber auch bei anderen Herstellern ähnlich.

 

SIZING / Größenwahl:

In Sachen Größenwahl sollte man zunächst immer einen Blick auf die Tabellen des Herstellers werfen. Mit 191cm und ca. 86kg passte mir die Größe ML sehr gut. Diese ist mit 178-197cm und 75-85kg angegeben. Die Länge an den Armen und Beinen ist gut bemessen und aufgrund der Dehnfähigkeit des Neoprens sitzt der VARMAN nahezu perfekt. Im Zweifel sollte man jedoch immer mit dem Händler oder Hersteller Kontakt aufnehmen. HUUB selbst rät, im Zweifel, eine Nummer (Größe) „nach oben“ zu gehen.

 

TECHNISCHE HIGHLIGHTS:

Hierbei möchte ich nur auf die wichtigsten Elemente eingehen, welche ich insbesondere auch testen oder wirklich nachvollziehen / spüren konnte.

ARMS NEUTRAL™:

Zum einen besitzt der VARMAN mit seinem „Arms Neutral Konzept“ ein innovatives Merkmal, welches insbesondere die Bewegungsfreiheit und Arm-Rotation beim Schwimmen optimieren soll, weil der Schnitt derart konstruiert ist, dass man quasi in einer seitlichem ausgestreckten Armposition die sogenannte Null Stellung einnimmt und somit beim „Nach-Vorne-Greifen“ eine reduzierte Dehnung verursacht.

HUUB selbst gibt hierbei einen um 50% reduzierten „Dehnzyklus“ mit außergewöhnlicher Rotational Freedom™ an.

 

+43-SCHAUM und STABILISATIONs-Panels

Auch im Bereich der Körper-Stabilisation, sowie beim Auftriebs-Konzept geht HUUB ganz bewusst eigene Wege. Im Bereich der Hüfte und des Oberschenkels wurde ein exklusiver, besonders dicker (5mm) und innovativer Schaum eingesetzt, welcher zum einen circa 43% mehr Auftrieb vermitteln soll als normale (Neopren-) Schäume – sog. 3:5 „Auftriebs-Konzept“, dazu unten mehr. Ebenso ist diese dieser Bereich besonders verstärkt und das Neopren-Material deutlich straffer, so dass man im Bereich der Hüfte und Beine besonders stabilisiert werden soll, um eine Rotation beziehungsweise ein Ausweichen der Hüfte zu den Seiten zu minimieren.

 

BREAK-AWAY ZIPPER:

Auch beim Reißverschluss hat sich HUUB besondere Gedanken gemacht und einen Zipper implementiert, welcher mit einem speziellen System ausgestattet ist, das es ihm ermöglicht (durch einen Zug nach links oben (11Uhr-Stellung) den kompletten Reißverschluss zu entriegeln und komplett zu öffnen.

Ein ähnliches „System“ war bereits in den 90er Jahren vom Hersteller PIEL entwickelt worden, jedoch mit einem Reißverschluss der komplett von den Armen bis zu den Beinen ging und nach heutigen Maßstäben nicht mehr zulässig wäre. Weitere Produkt-Highlights und Innovationen findet ihr auf der Huub-Website.

 

Das ANZIEHEN:

Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen dass das Anziehen des VARMAN (bei richtig gewählt der Größe) idealerweise unter Zuhilfenahme einer (reißfesten) Tüte funktioniert, welche man sich nacheinander über die Füße zieht und den Neopren von INNEN GREIFEND möglichst weit nach oben zieht. Ideal ist hierbei eine Position der Beinenden circa handbreit über den Fußgelenken. Man arbeitet sich dann langsam nach oben und greift immer innen! (Sonst gibt es CUTS!) und zieht den Wetsuit möglichst weit nach oben, so dass dieser insbesondere im Schritt perfekt sitzt. Nur dann ist es auch gewährleistet, dass man den Oberkörperbereich nicht so sehr unter Spannung bringt.

Insbesondere merkt man auch, dass sich der VARMAN etwas schwerer über den Oberschenkel und Hüftbereich ziehen lässt, weil die Stabilisierungs-Panels und das dicke und feste, sowie auftriebsspendende Neopren-Material natürlich nicht so dehnbar ist, wie das sehr flexible Neopren im Schulter-Bereich.

Man sollte sich aber nicht täuschen lassen, denn beim Ausziehen klappt alles hervorragend! Ebenso kann man diese Tüte für die Arme verwenden und nacheinander „durchsteigen“. Der Armabschluss sollte circa 3-4 Finger breit über dem Handgelenk liegen. Auch hier empfiehlt es sich, nach und nach von innen greifend die Ärmel so weit „auf die Schulter zu ziehen“, dass der komplette Armbereich glatt und ohne Falten liegt. Abschließend kann man den Reißverschluss nach oben ziehen.

Hinweis 1:

Man sollte den Reißverschluss vor dem Anziehen wie bei einer Jacke von unten einfädeln und circa 2-3 „Zacken“ nach oben ziehen (s. Foto), damit dieser auch leichtgängig nach oben geführt werden kann. Ohne diesen Trick kann es zu einem leichten Hakeln kommen.

Wichtig: Wenn man das Ende des Zippers erreicht hat spürt man ein leichtes Einrasten in das letzte Reißverschluss-Glied welches das Aufspringen des Reißverschlusses ermöglicht. Jetzt sollte man aufpassen, dass man den Reißverschluss keinesfalls nach links oben zieht, sonst wird die „Break Away Funktion“ ausgelöst und der Reißverschluss öffnet sich komplett und muss neu eingefädelt werden. Hierzu ist dann in der Regel eine zweite Person erforderlich!

Hinweis 2:

Man sollte zusätzlich - wenn man den Neo alleine anziehen muss - die Reißverschlussleine VOHER durch die kleine Lasche am Klettverschluss führen, damit man durch ein „Ziehen nach links oben“ sowohl den Klettverschluss öffnen als auch den Break-Away-Mechanismus sicher auslösen kann. Fürs Training empfehle ich eine Sicherheitsnadel für das Ende der Leine zu verwenden, damit diese beim Anziehen nicht durch die Lasche rutscht – siehe Bilder-Galerie.

 

 

SCHWIMMVERHALTEN UND PERFORMANCE:

Wenn man mit dem VARMAN die ersten Schwimmzüge macht, merkt man gleich, dass die Flexibilität in Arm- und Schulterbereich sehr hoch ist. Hier kann er sich von vielen Wettbewerbern absetzen. Dies setzt jedoch voraus, dass man die Ärmel auch möglichst weit nach oben „quasi in den Schulterbereich gezogen“ hat.

Ebenso spürt man sofort, dass der Hüft- und Oberschenkelbereich besonders „komprimiert“ und damit auch stabilisiert wird. Auch dieser „Effekt“ setzt sich gegenüber sämtlichen bereits von mir getesteten Wettbewerbern deutlich ab. Man hat quasi den Eindruck, in einem Kompressions-Short zu sitzen. Ich persönlich habe dies als sehr angenehm empfunden! Auch die Wasserlage und der Auftrieb des VARMAN wissen zu überzeugen. Der Hüft- und Oberschenkelbereich wird spürbar nach oben gedrückt, so dass man auch so gut wie keinen Beinschlag benötigt - gegebenenfalls ist hier und da ein „Stützschlag“ nötig. Die Wasserlage ist TOP! Hier zeigt das „3:5 Auftriebs-Konzept“ (zwischen Ober- und Unterkörper) und der +43-Schaum seine positive Wirkung.

Gerade dort wo man Auftrieb benötigt - insbesondere für Triathleten im Hüft und Oberschenkelbereich wichtig - wird durch das 5mm dicke Neopren eine sehr gute Wasserlage durch das Liften des Körpers erreicht. Im Schulter- und Armbereich wird hingegen ein sehr dünnes und besonders flexibles Neopren Material verwendet)

Im Vergleich zu meinem Sailfish One konnte ich bei Schwimmstrecken in einem Stausee, bei welchen ich identische Strecken um „fix positionierte“ Schwimmbojen schwamm, feststellen, dass ich in der Regel auf 1.300m circa bis zu 30 Sekunden weniger Zeit benötigte. Allerdings war die Anzahl der Schwimmzüge im VARMAN minimal höher, so dass ich davon ausgehe, dass insbesondere durch die deutliche höhere Stabilisierung des VARMAN eine ähnliche, oder etwas bessere Performance erreicht wird.

Der Vorteil des HUUB VARMAN ist somit zum einen seine höhere Stabilisierungswirkung im Hüft- und Oberschenkelbereich. Ebenso ist er meiner Meinung nach noch flexibler im Schulterbereich und gewährleistet eine nahezu mühelose Schulter-Rotation beim Kraulschwimmen. Dies macht sich insbesondere auf längeren Schwimmstrecken positiv bemerkbar.

 

BREAK-AWAY Zipper:

Ein sehr interessantes Feature ist insbesondere auch vor dem Hintergrund der immer wieder passierenden „Reißverschluss Klemmer“ (siehe oben) die Möglichkeit, den Zipper mit einem Zug komplett zu entriegeln. Dies funktioniert hervorragend und sicher, indem man die Schlaufe mit einem kräftigen Zug nach LINKS OBEN zieht und so den Klett- und damit auch den Reißverschluss komplett öffnet. „Reißverschluss-Klemmer“ gehören damit der Vergangenheit an! Der Reißverschluss (und Klettverschluss am Kragen) öffnet sich quasi schlagartig von oben komplett bis nach unten. Das Ausziehen gestaltet sich auch durch den tollen Inliner auch mühelos, der Neopren klebt zu keinem Zeitpunkt auf der Haut. Auch das Herunterziehen über die Hüfte und Oberschenkel gelingt extrem einfach und man kann mit ein, zwei Kniehüben komplett aus dem VARMAN steigen.

 

HALTBARKEIT:

Wie jeder Neoprenanzug ist auch der VARMAN gegenüber Fingernägel-CUTS nicht gewappnet. Man sollte daher immer innen greifen und das Neopren kräftig an den Beinen oder Armen zum Rumpf ziehen, oder gegebenenfalls Baumwollhandschuhe verwenden. Ebenso sollte man ihn komplett durchtrocknen lassen, an einem nicht zu warmen und nicht zu kalten Ort lagern und ihn insbesondere nicht dauerhaft der Sonne aussetzen. Dann steht einer langen Lebensdauer nichts im Wege.

 

 

Empfehlenswertes ZUBEHÖR:

Zusammen mit dem VARMAN Wetsuit konnte ich auch zwei
Schwimmbrillen testen.

Die Aphotic (Photochromatic & Mirror, UVP 59,99€) besitzt voll verspiegelte, selbsregulierende Gläser (sog. Photochromatic-Technology), welche sich in ca. 160 Sekunden aufhellen oder verdunkeln können. Somit ist die Aphotic sehr flexibel bei wechselnden Lichtverhältnissen einsetzbar.

Natürlich sind die Gläser beschlagfrei. Der Gummiwulst schmiegt sich (bei mir) gut in die Augenhöhle und dichtet perfekt ab. Mittels eines kleinen „Druck-Knopfes“ an beiden Seiten kann das Gummiband schnell und sicher justiert werden. LINK ZUR BRILLE 

Die Thomas Lurz Goggle (UVP 34,99€) hingegen ist deutlich schmaler geschnitten, auch verspiegelt und bietet ein sehr gutes (peripheres) Sichtfeld. Durch insgesamt drei Nasen-Stege/Gummis ist diese optimal anpassbar. Die kratzfesten Polycarbonat-Gläser sind ebenfalls anti-beschlagbeschichtet.
Auch diese funktionierte bei mir hervorragend – die coole, schlanke Optik hat nur zudem sehr gefallen. Beide Brillen werden in einem Muschelschalen-Reißverschluss-Brillenetui geliefert. LINK ZUR BRILLE 

 

WETSUIT-ALTERNATIVEN des Herstellers:

Der AEGIS X 3:5 ist mit einer UVP von 449,90€ das Mittelklasse-Modell von HUUB. Optimierte Neopren-Panels sorgen für eine sehr gute Flexibilität im Armbereich. Natürlich besitzt er auch das auftriebsstarke 3:5-Konzept und den Break-Away-Zipper. Einsteiger kommen bei HUUB mit dem Alpha Beta 2:3 sogar schon für eine UVP von 219,90€ zum Zuge.

Der HUUB Brownlee Agilis 3:5 (UVP 849€) ist das Top-Modell und wurde in Zusammenarbeit mit den Brownlee-Brüdern entwickelt.

Auch dieser bietet durch das Arms-Neutral™-Konzept eine unvergleichliche „Rotational Freedom™“, den exklusive +43™ Auftriebsschaum, extrem hochwertiges Neopren, den tollen Break-Away-Zipper und eine gepresste Halskante für optimierten Komfort

 

GESAMT-FAZIT:

Der HUUB VARMAN ist ein „SPITZENKLASSE“- Wetsuit! Er besitzt eine tolle Passform, sehr gute Verarbeitung und „Visibility“ fürs Openwater-Swimming. Die Schulterflexibilität ist extrem hoch, so dass eine Rotation nahezu mühelos gelingt. Hier zeigt sich zum einen, dass das verwendete Neopren-Material sehr dehnbar ist und durch die „Arms Neutral Konstruktion“ die Dehnkräfte weiter reduziert werden.

Das bis zu 5mm dicke und auftriebsstarke Neopren im Hüft und Oberschenkel-Bereich (+43™-Foam und 3:5 Auftriebsprofil) führt zu einer tollen Wasserlage und Stabilisierung, von der insbesondere Triathlet*innen und nicht ganz so gute Schwimmer*innen besonders profitieren können, zumal ein leichter Stütz-(Bein-) Schlag ausreicht.

Der BREAK-AWAY-ZIPPER führt zu tollen Wechselzeiten und „Reißverschluss-Klemmer“ gehören der Vergangenheit an. Insgesamt bietet sich der VARMAN somit als interessante und performancestarke Alternative zu den bekannten Platzhirschen an. Mit einer UVP von ca. 649€ bietet er ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Marktpreise liegen aber teilweise deutlich darunter und machen ihn damit noch „attraktiver“ …


Hier der Link zu den HUUB-Produkten im Shop:

Fotos: Eigene und HUUB