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Ein Alltagstrainer, der für das Zurücklegen langer Distanzen entwickelt wurde und zudem mit seinem geringen Gewicht und optimaler Dämpfung punktet. Leicht, schnell und besonders reaktionsfähig – so beschreibt HOKA die mittlerweile vierte Auflage seines Modells mit der Schallgeschwindigkeit im Namen.

Das für das Laufgefühl verantwortliche Kernelement ist die zweischichtige Sohle. Dabei handelt es sich einmal um die PROFLY™ Zwischensohle und die darunter liegende gummierte Außensohle. Die Mischung beider machen den Mach 4 besonders federnd und reaktionsfähig und sorgen für einen dynamischen Auftritt. So zumindest in der Theorie. Wie ich den HOKA Mach 4 erlebt habe könnt ihr im folgenden Testbericht lesen.  

 

 

Die Specs des Testschuhs:

 

Kategorie Lightweight Trainer
Schuhart neutral
Geschlecht Herren
Sprengung 5mm
Gewicht 225g (Größe EU/US – 431/3/9.5)
Farbe Blue Flower / Citrus
Weite normal


 

Unboxing:


Ich kann mich noch an die Diskussion über die Optik ältere HOKA Schuh-Modelle erinnern. Wegen ihrer hohen Sohle wurden sie oft belächelt und mit Trendschuhen der 90er verglichen. Ich würde sagen, dass HOKA hier seiner Zeit voraus war, denn flache Sohlen findet man derzeit bei kaum einem Laufschuhhersteller. Dennoch fällt der Mach 4 etwas aus der Reihe und sieht schnittiger aus, als so manch anderes Modell von HOKA. Zum einen entkoppelt optisch die zweigeteilte Sohle und lässt diese nicht so klobig erscheinen. Zum anderen zieht der Early Meta-Rocker die Außensohle mit seinem, ich nenne ihn mal Heckspoiler, in die Länge und lässt den Schuh schlanker und schneller aussehen.

Das Obermaterial besteht aus einem eher herkömmlich feingestricktem Mesh. Der Schuh wirkt sonst sehr schlicht mit wenigen Applikationen. Nur der HOKA Schriftzug und ein farbiger Streifen im hinteren Teil, der sich bei näherem Hinsehen als Reflektorstreifen enttarnt, stechen etwas heraus. Ach ja die Farbe… die Farbe ist mega! Hier ein quietschiges Gelb bzw. „Citron“ in Kontrast mit dem dunkel blauen Brandnamen und der gleichfarbiger Schnürung – erfrischend sommerlich.

Ebenso auffällig ist die hochgezogene und von der Achillessehne weggebogene Fersenkonstruktion, die die Sehne mit ihrer anatomischen Form schonen soll. Sieht auf jeden Fall sehr sportlich aus.

Die Außensohle ist sehr strukturiert. Es sind sowohl Querkerben, gerade im Vorfußbereich, als auch Längskerben eingearbeitet. Beim Biegen des Schuhs merkt man sofort, wie flexibel die Sohle ist. Die Schnürung ist eher klassisch. Auffällig hier die relativ langen Schnürsenkel, selbst wenn man 6-reihig die Marathonschnürung berücksichtigt, fällt die Schleife noch recht großzügig aus.

Stimmen im Internet üben leichte Kritik in puncto Qualität. Ich kann diesbezüglich nichts anmerken. Alle Komponenten sind sauber geklebt und vernäht. Mein Schuh hier ist absolut tadellos. 

 

 

Der erste Eindruck:


 Hat man den Mach 4 in der Hand, fällt einem sofort das geringe Gewicht auf. In meiner Größe in EU 43 1/3 wiegt er gerade mal 225g, absolut schon im Bereich eines Wettkampfschuhs. 

Das Obermaterial ist formstabil aus hitzegepressten TPU-Garnen gefertigt. Optisch wirkt es etwas schmal, allerdings lässt sich die Weite optimal über die Schnürung anpassen. Selbst bei meinen eher breiten Füßen ist die Passform richtig gut, obwohl das Mesh wenig bis kaum elastisch ist. Dennoch drückt nichts am Fuß und auch nach der Anprobe sind keine Druckstellen auf der Haut erkennbar. Die dünne Zunge ist elastisch mit dem Leisten verbunden und sitzt stramm, ohne zu verrutschen unter der Schnürung.

Beim Reinschlüpfen fällt natürlich direkt die tolle Dämpfung auf. Um es vorweg zu nehmen, es ist meiner Meinung nur etwas für Läufer*innen, die sich in der Kategorie „Cushion“ wohlfühlen. Die Dämpfung ist auch sehr homogen aufgebaut – durchgehend von der Ferse bis zum Vorfuß. Genauso bemerke ich die geringe Sprengung von 5mm sofort. Der Stand im Schuh ist etwas fersenlastig, was aber daran liegen mag, dass ich sonst nur Laufschuhe jenseits der 10mm gewohnt bin. Trotz der dicken Sohle habe ich nicht das Gefühl, dass der Mach 4 hoch aufbaut. Der Fuß sitzt stabil im Schuh, wozu auch die geformte EVA-Einlegesohle beiträgt.

Alles in allem eine recht komfortable Passform mit einer super Dämpfung. Für mich vielleicht schon etwas zu viel bzw. zu weich.

 

 

Lauftraining:


Ein Hauch von Nichts – das niedrige Gewicht fällt auch am Fuß sofort auf. In Kombination mit dem Maximum an Dämpfung startet man automatisch mit einer höheren Pace. Es ist nicht unbedingt der HOKA Meta-Rocker, der nach vorne schiebt. Vielmehr ist es wirklich das Zusammenspiel aus oben genannter Kombi. Falls ihr die Rocker-Konstruktion noch nicht kennt: Die Sohle im Vorfuß und an der Ferse ist etwas nach oben gebogen, d. h. die Sohle nimmt eine konvexe Form an, um ein leichteres Abrollen zu gewährleisten.

Ich ändere absichtlich den Laufstil und laufe in unterschiedlichen Pacebereichen. Die Dämpfung ist sehr homogen und fühlt sich immer gleich gut an. Es fällt mir positiv auf, dass ich relativ einfach eine konstante Pace nach Trainingsvorgabe halten kann. Ob Fersen-, Mittelfuß- oder Vorfußläufer*innen – hier kommen alle auf ihre Kosten. Bei höherer Pace wird der Schuh etwas direkter und gerade im Vorfußbereich auch dynamischer und macht in diesem Bereich erst richtig Spaß. Reine Fersenläufer*innen profitieren vom HOKA Early Meta-Rocker. Der leicht hervorstehende Absatz verhilft zu einem früheren Aufsetzen und somit schnellerem oder optimalerem Abrollen über die ganze Sohle. So sollte es zumindest sein, aber in der Praxis ist es schwierig einen merklichen Unterschied zu erkennen.      

Die anatomische Achilles-Konstruktion der hochgezogenen Ferse erfüllt ebenso ihren Zweck. Sonst habe ich regelmäßig Schmerzen an meiner oft geschundenen Achillessehne, bleibt sie bei und nach allen Läufen mit dem Mach 4 beschwerdefrei. Jedoch empfinde ich schon eine höhere Belastung in der Wade, was aber auch an der ungewohnt niedrigen Sprengung liegen kann.

Kommen wir jetzt zu meinem persönlichen ABER. Ich finde den Mach 4 wenig reaktiv, allerdings nur im Vergleich mit anderen Schuhen. Vermisse an dieser Stelle etwas mehr „Bounce“ bzw. das flummiartige Gefühl in der Dämpfung. Stattdessen kommt sie mir oft etwas stumpf vor. Laufschuhe anderer Hersteller, die weitaus reaktiver sind, weisen aber auch ein viel höheres Gewicht auf. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es wohl nicht in dieser Schuhkategorie.

Positiv hingegen ist der nicht so hohe Aufbau der Sohle bzw. sitzt der Fuß nicht ganz so hoch, sodass man auch bei höherer Pace in Kurven einen sicheren Halt hat. Trotz der flexiblen Sohle, gewährleistet der Schuh immer noch genug Support und bietet eine gewisse Sicherheit am Fuß und das bei jeder Pace, die ich mit ihm gelaufen bin.

An der Außensohle ist nach knapp 100km leider schon Verschleiß zu erkennen. Hier würden evtl. festere Gummielemente guttun, aber mit dem Fokus der Gewichtsersparnis ist dieser Fakt tolerabel. Der Mach 4 fühlt sich auf Asphalt am wohlsten, kann natürlich auch auf Wald- und Feldwegen gelaufen werden. Dabei bleiben leider oft kleinere Steinchen in den groben Kerben der Sohle stecken. Vom Grip her ist er toll, auch auf nassem Asphalt kommt er nicht ins Rutschen.  

 

 

Fazit:


Ich versuche den HOKA Mach 4 die ganze Zeit in eine Kategorie einzuordnen. Von allen meinen bekannten Laufschuhen ist keiner so wirklich vergleichbar mit ihm. Entweder weitaus reaktiver, sind dafür aber schwerer und haben eine höhere Sohle oder ebenso leicht, weisen dafür aber nur eine geringe Dämpfung auf. Mein Fazit: Der Mach 4 ist eine Klasse für sich mit dem Fokus auf Dämpfung und Leichtigkeit und dazu noch in einem akzeptablen Preisbereich.

Im Gegensatz zu den Wettkampf Carbonmodellen von HOKA, wie dem Carbon X/X2 oder Rocket X, ist der Mach 4 eher für das tägliche Training ausgelegt, besitzt aber Strukturelemente der „großen Brüder“, wie bspw. den Early Meta-Rocker. Wie man sieht, deckt der Schuh mit seinen beschriebenen Haupteigenschaften einen sehr großen Einsatzbereich ab. Es ist also durchaus vorstellbar, den Mach 4 ebenso als Racer zu benutzen.

Empfehlen würde ich den Mach 4 mittelschweren bis leichten Personen mit neutralem Abrollverhalten, die einen sehr leichten komfortablen und dämpfungsstarken Laufschuh suchen. Gerade Läufer*innen, die auf längeren Distanzen mal ein bisschen schneller laufen möchten, sollten mit dem Modell gut zurechtkommen. Die Dämpfung wirkt sich gelenkschonend aus, sodass man länger ermüdungsfrei laufen kann. 

 

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